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Für ein Neufahrn, in dem alle dazugehören
Die jüngste Pressemitteilung der AfD-Fraktion Neufahrn zur Veranstaltung des „Queeren offenen Treffs“ im JUZ Neufahrn hat bei mir vor allem eines ausgelöst: Unverständnis.
Über Kinder- und Jugendschutz, altersgerechte Aufklärung und die Rolle der Eltern kann und soll man diskutieren. Dafür braucht es keine Denkverbote, sondern gute Argumente, gegenseitigen Respekt und einen sachlichen Austausch.
Eine klare Grenze ist für mich jedoch dort erreicht, wo Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität als „psychisch krank“ bezeichnet und als nicht „normal denkend“ dargestellt werden. Ich verwehre mich auch ganz klar gegen den Missbrauch des Begriffs „psychisch krank“ als abwertende Bezeichnung. Damit werden die Menschen herabgewürdigt, die tatsächlich mit einer psychischen Erkrankung leben müssen. Eine solche Stigmatisierung ist gefährlich und hat in unserer Gesellschaft keinen Platz.
Das ist keine sachliche Debatte mehr. Das ist die Herabwürdigung von Menschen.
Als Bürgermeister ist es meine Aufgabe, nicht danach zu entscheiden, wer in irgendeine vermeintliche „Normalität“ oder Schublade passt. Meine Aufgabe ist es, für alle Menschen in unserer Gemeinde da zu sein. Unsere Welt ist bunt, so auch unsere Gemeinde, und das ist gut so.
Deshalb wird der „Queere offene Treff“ auch weiterhin stattfinden. Beim nächsten Treffen werde ich selbst dabei sein.
Nicht, um eine politische Front aufzubauen, sondern um deutlich zu machen: Diese jungen Menschen gehören zu unserer Gemeinde. Sie gehören zu unserer Gesellschaft. Und sie haben, wie alle anderen auch, das Recht und den Anspruch auf einen Ort, an dem sie sich sicher, respektiert und angenommen fühlen. Diesen Ort garantiere ich ihnen als Bürgermeister.
Ich werde mit allen demokratischen Kräften im Gespräch bleiben, auch dann, wenn wir politisch unterschiedliche Auffassungen haben. Demokratie lebt davon, dass wir streiten, unterschiedliche Positionen aushalten und trotzdem miteinander im Gespräch bleiben.
Aber Dialog und Kompromissbereitschaft dürfen nicht bedeuten, dass Menschenwürde zur Verhandlungsmasse wird.
Wir müssen stärker das sehen, was uns verbindet: unsere Gemeinde, unsere Kinder und Jugendlichen, unsere Familien, unsere Nachbarschaften, unsere Vereine und unsere gemeinsame Verantwortung für Neufahrn.
Wir müssen nicht alle gleich sein, um zusammenzugehören.
Nicht jeder muss die Lebensweise eines anderen verstehen oder selbst wählen. Aber jeder sollte in der Lage sein, den anderen als Menschen zu respektieren.
Dafür stehe ich als Bürgermeister. Für ein Neufahrn, in dem alle dazugehören.

Ozan Iyibas, Erster Bürgermeister
PM 27/26

