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Blog 3 - Zwischen Bürgermeisterkette und Kinderhand
Es gibt Tage, an denen ich morgens das Haus verlasse und noch nicht weiß, wie viele Rollen ich bis zum Abend einnehmen werde.
Bürgermeister. Redner. Zuhörer. Gratulant. Vermittler. Familienvater.
Und manchmal alles gleichzeitig.
Vor einigen Wochen war genau so ein Samstag. Fünf Termine standen auf dem Programm – Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern, Vereinsveranstaltungen und schließlich die feierliche Amtseinführung von Pfarrer Binoy in unserer katholischen Pfarrei.
Dieser Tag hatte aber noch eine kleine Besonderheit.
Da sich die Amtseinführung und die „Night of Music“ der evangelischen Kirchengemeinde zeitlich überschnitten, konnte Pfarrer Schubert nicht selbst an der Amtseinführung teilnehmen. Kurzerhand durfte ich sein Grußwort übernehmen. Ich habe augenzwinkernd gesagt, dass ich an diesem Tag wohl ganz offiziell ökumenische Arbeit leisten durfte. So schnell wird man als Bürgermeister manchmal vom Grußwortredner zum Brückenbauer zwischen zwei Kirchengemeinden.
Aber genau das gefällt mir an Neufahrn. Wir reden nicht nur über Miteinander – wir leben es. Katholische und evangelische Kirchengemeinde arbeiten eng zusammen und begegnen sich mit großem Respekt. Dieses gelebte Miteinander macht unsere Gemeinde aus.
Nach der Amtseinführung hätte der Tag eigentlich zu Ende sein können.
War er aber nicht.
Am Abend ging es für mich weiter zur „Night of Music“ im evangelischen Pfarrgarten. Dieses Mal allerdings nicht allein, sondern gemeinsam mit meiner Frau und unseren Kindern.
Warum?
Weil ich mich nicht zwischen Bürgermeister und Familie entscheiden möchte.
Natürlich wird es Termine geben, bei denen das nicht möglich ist. Das gehört zu diesem Amt dazu. Aber überall dort, wo es passt, möchte ich beides miteinander verbinden. Meine Kinder sollen erleben, wie lebendig unsere Gemeinde ist. Sie sollen Vereine kennenlernen, Musik hören, Feste erleben und sehen, wie viele Menschen sich ehrenamtlich für Neufahrn einsetzen.
Und ich glaube, viele Familien kennen diesen täglichen Spagat zwischen Beruf und Familie. Auch ich lerne jeden Tag dazu. Aber genau diese gemeinsamen Momente sind es, die für mich besonders wertvoll sind.
Ein paar Tage später durfte ich einen weiteren Moment erleben, den ich wahrscheinlich nie vergessen werde.
Ich stand am Rednerpult der Jo-Mihaly-Mittelschule und blickte in die Gesichter der Abschlussschülerinnen und Abschlussschüler.
Plötzlich musste ich lächeln.
Denn vor rund 27 Jahren saß ich genau dort, wo die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag saßen.
Damals hätte ich mir niemals vorstellen können, dass ich eines Tages als Bürgermeister an meine ehemalige Schule zurückkehre und die Abschlussrede halten darf.
Mein Weg führte von der Mittelschule über die Mittlere Reife, das Abitur und das Studium bis ins Rathaus von Neufahrn.
Nicht, weil immer alles einfach war.
Sondern weil es Menschen gab, die an mich geglaubt haben. Lehrerinnen und Lehrer, meine Familie, Freunde und Wegbegleiter. Und weil ich selbst nie aufgehört habe, an meine Ziele zu glauben.
Genau das wollte ich den jungen Menschen mitgeben.
Es spielt keine Rolle, wo man startet. Viel wichtiger ist, wohin man möchte.
Leistung, Fleiß, Mut, Rückschläge und der Wille, immer wieder aufzustehen – all das gehört zum Leben dazu. Jeder von uns schreibt seine eigene Geschichte. Und jeder hat die Chance, mehr zu erreichen, als er vielleicht heute selbst für möglich hält.
Vielleicht verbindet genau das all diese Erlebnisse.
Ob Kirche, Familie, Schule oder Ehrenamt – am Ende geht es immer um Menschen. Um Begegnungen. Um Zusammenhalt. Und darum, Brücken zu bauen.
Genau deshalb liebe ich dieses Amt.
Weil es nicht nur aus Sitzungen, Akten und Entscheidungen besteht.
Sondern aus den Geschichten, die unsere Gemeinde jeden Tag schreibt.
Und manchmal darf ich mittendrin sein – als Bürgermeister, als Familienvater und einfach als Mensch.
Herzliche Grüße
Ihr Ozan İyibas
Erster Bürgermeister

