- Rathaus Bürger
- Wohnen Leben
- Freizeit Kultur
- Umwelt Bauen
- Wirtschaft Mobilität
Gemeinsam für die hausärztliche Versorgung von morgen: Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Freising wächst
Wie kann es gelingen, auch in Zukunft eine wohnortnahe hausärztliche Versorgung im Landkreis Freising sicherzustellen? Eine zentrale Antwort auf diese Frage liefert der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Freising. Mit der Unterzeichnung der erneuerten Kooperationsvereinbarung zwischen dem Klinikum Freising und den beteiligten Lehrpraxen wurde nun ein deutliches Zeichen für die Zukunft der medizinischen Versorgung gesetzt. Gleichzeitig übernahm Landrätin Susanne Hoyer die Schirmherrschaft für die Kooperation und würdigte damit die enge Zusammenarbeit aller Partner. „Die Sicherung der medizinischen Versorgung gehört zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben unseres Landkreises“, betonte die Landrätin. „Gerade die hausärztliche Versorgung entscheidet darüber, ob die Menschen – insbesondere im ländlichen Raum – auch künftig wohnortnah medizinisch versorgt werden können.“
Demografischer Wandel stellt Versorgung vor große Herausforderungen
Der Handlungsbedarf ist groß: Im Landkreis Freising sind derzeit rund 113 Hausärztinnen und Hausärzte tätig. Ihr Durchschnittsalter liegt bei etwa 55 Jahren. 42 Ärztinnen und Ärzte sind schon über 60 Jahre alt, mehr als die Hälfte hat das 55. Lebensjahr überschritten. Gleichzeitig wächst der Landkreis kontinuierlich und die Bevölkerung wird älter. Obwohl die hausärztliche Versorgung rechnerisch in einzelnen Planungsbereichen teilweise noch über 100 Prozent liegt, zeigen sich insbesondere in den ländlicheren Regionen bereits heute Schwierigkeiten bei der Nachbesetzung von Hausarztpraxen. Besonders deutlich wird dies im Planungsbereich Moosburg, der von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) offiziell als unterversorgt eingestuft wurde. Um die Niederlassung neuer Hausärztinnen und Hausärzte zu fördern, bestehen dort besondere Fördermöglichkeiten der KVB. Es bleiben bereits heute einzelne Praxissitze unbesetzt oder können nur mit erheblicher Verzögerung nachbesetzt werden. „Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass wir innovative Wege für die medizinische Versorgung von morgen gehen müssen. Genau hier setzt der Weiterbildungsverbund an“, so Hoyer.
Klinik, Praxen und Gesundheitsregionplus ziehen an einem Strang
Der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Freising wurde 2013 gegründet und zählt heute zu den größten Verbünden seiner Art in Bayern. Mit der Unterzeichnung der neuen Kooperationsvereinbarung wächst das Netzwerk auf insgesamt elf Lehrpraxen. Neu hinzugekommen sind zwei allgemeinmedizinische Praxen in Moosburg (Dr. med. Strasser) und Au (Dr. med. Kufner) sowie erstmals eine neurologische Facharztpraxis aus Freising (Dr. Çatak/Dr. med. Reif).
Der Verbund verknüpft die stationäre Weiterbildung am Klinikum Freising mit der ambulanten Weiterbildung in den Lehrpraxen und ergänzt diese durch gemeinsame Fortbildungen (Lunch-Zirkel), Hospitationen und regelmäßigen fachlichen Austausch. Ziel ist es, jungen Ärztinnen und Ärzten eine strukturierte Weiterbildung zu bieten und sie frühzeitig für eine berufliche Zukunft im Landkreis Freising zu gewinnen.
Seit 2023 begleitet die Gesundheitsregionplus Landkreis Freising den Weiterbildungsverbund als zentraler Netzwerkpartner. Sie unterstützt die Vernetzung der beteiligten Akteure und trägt dazu bei, die Zusammenarbeit zwischen Klinikum, Lehrpraxen und Landkreis weiter auszubauen. Gerade angesichts der anstehenden Gesundheitsreformen und des zunehmenden Ärztemangels ist diese sektorenübergreifende Kooperation ein wichtiger Baustein für die langfristige Sicherung der medizinischen Versorgung im Landkreis.
Zertifizierung als Qualitätsnachweis
Neben der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags stand auch die Übergabe der Zertifizierungsurkunde durch Dr. Cornelia Dodeller von der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin Bayern (KoStA) auf dem Programm. Der Weiterbildungsverbund Freising ist damit erst der zweite Weiterbildungsverbund in Bayern, der diese Zertifizierung erfolgreich erhalten hat. Bewertet werden dabei unter anderem die Qualität der Weiterbildung, die enge Vernetzung zwischen Klinik und Praxen, regelmäßige Fortbildungsangebote sowie innovative Strukturen und regionale Kooperationen. Die Zertifizierung bestätigt den hohen Qualitätsanspruch des Freisinger Verbundes und macht gleichzeitig sichtbar, welchen Stellenwert die strukturierte Weiterbildung für die langfristige Sicherung der hausärztlichen Versorgung besitzt.
Engagierte Leitung und starke Partnerschaft
Der Weiterbildungsverbund wird von Dr. Jessica Bungartz-Çatak, niedergelassene Hausärztin in Freising, mit großem persönlichem Engagement geleitet. Gemeinsam mit PD Dr. Markus Neumaier, Ärztlicher Direktor des Klinikums Freising, verantwortet sie die inhaltliche und organisatorische Weiterentwicklung des Verbundes. Eine zentrale Rolle übernimmt zudem Dr. Martin Kawald, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Freising, der die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung begleitet und als wichtiger Schnittstellenpartner zwischen stationärer und ambulanter Versorgung den Austausch zwischen Klinikum und Lehrpraxen fördert.
Gute Zusammenarbeit trotz schwieriger Rahmenbedingungen
Neben den regionalen Herausforderungen wurden im Rahmen der Veranstaltung auch die aktuellen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen thematisiert. Die geplanten Reformen im Gesundheitswesen sowie die angespannte finanzielle Situation vieler Kliniken und Landkreise stellen die Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses zunehmend vor Herausforderungen.
Insbesondere die Finanzierung der stationären Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung in der Allgemeinmedizin wurde kritisch betrachtet. Die bestehenden Fördermittel decken die tatsächlichen Personalkosten nur zu einem Teil ab. Dadurch verbleibt insbesondere für die Krankenhäuser ein erheblicher Eigenanteil, obwohl die stationäre Weiterbildung ein unverzichtbarer Bestandteil der allgemeinmedizinischen Facharztausbildung ist.
Auch die zunehmende Bürokratie belastet den ärztlichen Alltag. Anstatt mehr Zeit für die Behandlung ihrer Patientinnen und Patienten aufbringen zu können, sehen sich viele Ärzte mit einem stetig wachsenden administrativen Aufwand konfrontiert. Gerade Modelle wie der Weiterbildungsverbund Freising zeigen, welches Potenzial in regionaler Zusammenarbeit steckt – dieses Potenzial gilt es künftig durch passende gesundheitspolitische Rahmenbedingungen zu stärken.
Weitere Informationen zum Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Freising, den beteiligten Lehrpraxen sowie den Weiterbildungsmöglichkeiten finden Interessierte im Internet unter www.wbvfreising.de.
(Quelle: LRA Freising)
