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Klimaanpassungskonzept zeigt, wie wir uns auf klimatische Veränderungen einstellen können, und gibt Handlungsempfehlungen


Es soll ja immer noch Menschen geben, die den Klimawandel für ein Märchen halten. Doch er ist Realität. Die Folgen sind auch im Landkreis Freising messbar. Die durchschnittliche Temperatur hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um 2,1 Grad Celsius erhöht. Es gibt mehr Hitzetage, längere Trockenphasen, aber auch intensivere Niederschläge. Welche Bereiche des Lebens von diesen Veränderungen betroffen sind und wie wir damit umgehen können, das ist im Klimaanpassungskonzept des Landkreises Freising zu lesen, das nun offiziell präsentiert wurde.

Schon seit vielen Jahren engagiert sich der Landkreis, um die Energiewende zu schaffen. „Wir haben auch schon sehr viel vorangebracht“, sagte Franz Heilmeier, Stellvertreter der Landrätin, im Rahmen der Vorstellung im Großen Sitzungssaal des Landratsamts Freising. Klimaschutz setzt an den Ursachen an, der Ausbau von erneuerbaren Energien reduziert Treibhausgase, Klimaanpassung dagegen betrachtet die Folgen, verringert die Risiken, die auf uns zukommen, und sichert unsere Lebensräume. „Wir brauchen beides. Klimaanpassung ist keine Alternative zum Klimaschutz und auch keine Kapitulation, sondern die notwendige zweite Hälfte einer verantwortungsvollen Vorsorge“, sagte Franziska Kohl, Klimaanpassungsmanagerin des Landkreises.

Heiße Sommer, warme Winter

Kohl fasste das Konzept in ihrem Vortrag zusammen, das neben den veränderten klimatischen Veränderungen unter anderem Leitprinzipien, Handlungsfelder und konkrete Vorschläge für die im Saal versammelten Vertreterinnen und Vertreter der Kommunen, aber auch für Privatpersonen beinhaltet. Die mittlere Jahrestemperatur verschiebe sich deutlich nach oben, wie Studien zeigten. In der Referenzperiode 1971 bis 2000 lag sie bei 8,2 Grad, im ungünstigsten Szenario wären es Ende des Jahrhunderts zwölf bis 13 Grad. „Das ist nicht derselbe Landkreis bei wärmerem Wetter, sondern schlicht ein anderes Klima – mit anderen Pflanzen, anderen Krankheitsrisiken und anderen Anforderungen an jedes Gebäude“, sagte Kohl. Die Zahl der Hitzetage im Sommer steige, die Eistage im Winter würden seltener. „Der fehlende Frost lässt Schädlinge wie den Borkenkäfer und diverse Krankheitserreger leichter überwintern, die Schneedecke als natürlicher Wasserspeicher fürs Frühjahr fällt weg, und für Land- und Forstwirtschaft verschieben sich die phänologischen Rhythmen.“ Dazu kämen die immer häufiger und intensiver auftretenden Starkregenereignisse.

(Quelle: LRA Freising)

 

Sich auf diese Gegebenheiten einzustellen und die Folgen abzufedern ist eine Mammutaufgabe. „Aber jeder Euro, der heute in Vorsorge fließt, erspart uns ein Vielfaches an Schadensbeseitigung.“ Gelingen könne das, da sind sich die Klimaanpassungsmanagerin und der stellvertretende Landrat einig, nur gemeinsam. Gefragt sind wir alle – auf Landkreis-, Gemeinde- oder privater Ebene. „Klimafolgen halten sich nicht an Zuständigkeiten.“ Handlungsfelder gibt es genügend: „Von Gesundheit, Tourismus, Industrie und Katastrophenschutz über Landwirtschaft, Forst, Naturschutz, Boden und Wasserwirtschaft bis zu Siedlungsentwicklung, Bauwesen, Energiewirtschaft, Verkehr – kaum ein Bereich bleibt unberührt.“

 

„Vorreiter-Landkreis“

Auch Dr. Anne von Streit, Dozentin an der LMU München sprach von der Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe. „Sie sind ein Vorreiter-Landkreis“, betonte die Expertin. „Nur zehn Prozent der Landkreise in Bayern haben schon ein fertiges Klimaanpassungskonzept.“ In ihrem wissenschaftlichen Vortrag sprach sie über ihre Forschungsergebnisse. In einer Befragung hätten beispielsweise 89 Prozent der befragten Gemeinden angegeben, in den vergangenen zehn Jahren habe es in ihrem Gebiet Schäden durch Starkregen gegeben, von Dürre und Hitze waren auch jeweils über 80 Prozent schon betroffen. Maßnahmen zur Klimaanpassung ergriffen hätten aber deutlich weniger Kommunen. „Hemmnisse sind meist fehlende Ressourcen wie Personal, Finanzen oder Flächen.“

 

In wie vielen Fachbereichen allein im Landratsamt Freising das Thema eine Rolle spielt, wurde während der Veranstaltung deutlich. Judith Jabs-Ingenhaag und Dr. Judit Tuschak von der Unteren Naturschutzbehörde sprachen über Moorschutz und Umweltbildung, Kreisbaumeisterin Antonia Seubert erläuterte, wie sich das Klimaanpassungskonzept und das Landkreisentwicklungskonzept gegenseitig ergänzen. Yvonne Fräbel und Christine Gruber erklärten, wie das Gesundheitsamt präventiv tätig ist – mit Aufklärungsarbeit beispielsweise zum Hitzeschutz, in Schulen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen, aber auch mit der Überwachung von Badegewässern und Trinkwasser sowie einem Tigermückenmonitoring.

 

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